Familientherapie


Systemisch-energetische Familientherapie

Familiendynamische Vorgänge spielen sich auf einer tiefen unbewußten Seelenebene ab, mit unmittelbarer Auswirkung auf Körperhaltung und Energiefluß. Immer wieder kommt es vor, daß die unbewußte Gruppendynamik einer Familie den einzelnen unbewußt verstrickt und ihm eine Rolle im System auferlegt, die seine Identität verwirrt, seine Energie und Lebenskraft raubt und ihn in fremde Beziehungsmuster hineinzwingt. Oft übernimmt ein Späterer, ohne es zu wissen, den Platz, die Gefühle, das Schicksal eines vergessenen oder ausgeklammerten Früheren und fühlt sich mit ihm durch eine tiefe Loyalität auch im (stellvertretenden) Leiden verbunden, meist, ohne sich dessen bewußt zu sein.

Beim Stellen des Familienbildes wählt der Teilnehmer für die wichtigsten Familienmitglieder und die in das Familiensystem Verstrickten Stellvertreter aus der Familientherapiegruppe und stellt sie nach seinem inneren Bild der Beziehungskonstellationen der Gegenwartsfamilie oder des Herkunftssystems im Raum wie auf einer Bühne auf.

Das in den Raum hinein konkretisierte Ordnungsmuster wirkt wie ein intensives Kraftfeld ein auf die psychosomatische Befindlichkeit der aufgestellten Stellvertreter. In diesem lebendigen Spiegel wird nun sichtbar, wie die Familienmitglieder zueinander (in Beziehung) stehen und wie sich das für die Einzelnen anfühlt.

In einem zweiten Schritt verändere ich als Therapeut aus meinem Wissen und meiner Erfahrung heraus schrittweise diese Aufstellung und verdeutliche damit die verborgene Dynamik des Systems. Ich bringe eine (archetypische) Ordnung in das System, füge fehlende oder ausgeklammerte Familienmitglieder hinzu, teste verschiedene Möglichkeiten anhand der Reaktionen der Stellvertreter, lasse Sätze der Anerkennung, Würdigung oder Lösung sprechen oder nicht stattgehabte Rituale nachvollziehen. Auf diese Weise können wir die Kräfte verstehen und nachvollziehen, die ein Beziehungssystem begründen und ordnen, die durch Illusionen verstrickende Blockaden setzen, die aber auch die Liebe sich im Guten entfalten lassen.

Mit einem klaren Bild über den guten, gemäßen Platz im System beginnt die Kraft und der Segen der Vorfahren zu den Späteren zu fließen und sie zu nähren. So wirkt die neue Ordnung - wird sie denn innerlich und äußerlich vollzogen - heilend in der Seele und in der Familie.

Vorgespräch: Zur Gruppenteilnahme ist ein Vorgespräch notwendig.

 

 

Bereits zu Beginn meiner psychotherapeutischen Ausbildung vor über 20 Jahren lernte ich die analytische Familientherapie (Horst Eberhard Richter) und die Arbeit mit Familienskulpturen (Hans und Margarete Jellouschek) kennen. Dabei faszinierte mich die Wirkung des inneren Bildes, das der Einzelne von seiner Familie hat. In langjähriger psychoanalytischer Tätigkeit gewann ich viel Erfahrung mit den individuellen Bildern und der darin verborgenen Dynamik der Familiensysteme. Die energetischen Muster der Familie spiegelten sich im Individuum wie auch in meinen Psychotherapiegruppen. Mit dem Familienstellen nach Virginia Satir gewann ich eine Methode, die Dynamik der inneren Bilder sichtbar zu machen und zu einem guten Abschluss zu führen.

Was man in der Einzeltherapie nur erahnen oder sich vorstellen kann, wird im Stellen des Familienbildes unmittelbar sichtbar: In einer Gruppe Gleichgesinnter wählt man sich für die einzelnen Familienmitglieder Stellvertreter, die gemäß dem inneren Bild im Raum aufgestellt werden. Dabei wird deutlich: Die unbewusste Gruppendynamik der Familie verstrickt den Einzelnen unbewusst und legt ihm eine Rolle im System auf, die ihm seine Identität gibt, oftmals aber auch seine Identität verwirrt, wenn sie in Widerspruch zu den ureigenen Impulsen steht. Dann fühlt man sich seiner Energie und Lebenskraft beraubt und in Verhaltensbeziehungsmuster hineingezwungen, gegen die man sich kaum wehren kann, solange sie unbewusst bleiben.

Besonders eindrucksvoll fand ich, welch wichtige Rolle im Unbewussten der Familiengruppe ausgeklammerte oder verschwiegene Familienmitglieder spielen. Obwohl diese ausgeklammerten oder verschwiegenen Mitglieder scheinbar nicht da sind, haben sie eine Wirkung auf die individuelle Psyche. Solche fehlenden Familienmitglieder können Totgeborene sein oder früh gestorbene Geschwister, ein früh gestorbener Elternteil oder früherer Partner der Eltern, es können aber auch ausgeklammerte Familienmitglieder sein, z. B. Behinderte, Schwule, unehelich Geborene, Selbstmörder, Kriminelle oder Mitglieder, die anderweitig schwere Schuld auf sich geladen haben (Missbrauch, Misshandlung, Kriegsverbrechen).

Sind solch schwerwiegende Ereignisse in der Familie vorgefallen, so tendiert das Familiensystem unbewusst zu einem „Ausgleich“: Ein später Geborener fühlt sich, ohne es zu wissen, durch tiefe Loyalität mit dem Schicksal dieses Früheren verbunden, selbst wenn es ihm selbst schweres Leid bringt. Durch diesen „Ausgleich“ stabilisiert sich das Familiensystem und die Bindung untereinander wird gesichert.

Die Folgen dieser Verstrickungen zeigen sich nicht nur auf der Beziehungsebene, z. B. Konflikte in der aktuellen Partnerschaft und Familie. Oft spielen sie auch beim Scheitern im Beruf eine wichtige Rolle oder führen zu einem unbewussten Dauerstress mit der Folge seelischer und körperlicher Erkrankung. Aus diesem Grund erhebe ich bei fast allen meiner Patienten einen ausführlichen Befund des Familiensystems.

 

Hier nun Beispiele von dynamischen Grundmustern:

  • Sind früh verstorbene Geschwister oder ein gestorbener Elternteil nicht angemessen betrauert worden, so fühlt sich eines der Kinder unbewusst oft noch so sehr mit ihm verbunden, dass dies wirkt, als ob er sagen würde: „Ich gehe mit dir aus dem Leben.“ Der Betreffende kann sich dann kaum dem Leben, dem Partner, den eigenen Kindern zuwenden, als ob er selber nicht mehr richtig dem Leben angehörte.
     
  • Wenn ein Elternteil ein schweres Schicksal zu tragen hat, z. B. Krankheit, Unfall oder auch schwere Schuld, so möchte ein Kind oder ein Enkel diesen Elternteil entlasten, damit er wieder mehr in der Familie präsent ist. Er lebt dann ein „ich trage es für dich“- Muster.
     
  • Will ein Elternteil aus der Familie „weggehen“, oft in Form von Depression oder verborgener Selbstmordneigung, manchmal auch Alkoholismus, so übernimmt bisweilen ein Kind diese Tendenz und will an seiner Statt gehen, um dem Familiensystem diesen Elternteil zu erhalten: „Lieber gehe ich als du.“ Das betreffende Kind kann dann selber depressiv werden, selbstmordgefährdet, süchtig oder erkrankt an einer schweren körperliche Erkrankung. Leider wird damit der Elternteil, der „gehen will“, nicht weniger depressiv. Das Opfer des Kindes ist vergeblich und oft sogar schädlich, auch wenn es aus inniger Verbundenheit geschieht. Das ist das Tragische an diesem „Opfer“.
     
  • Wird ein Familienmitglied ausgeklammert, vergessen, abgewertet, identifiziert sich oft ein Späterer mit ihm und übernimmt sein Schicksal, vertritt ihn sozusagen, und nimmt ihn damit wieder in die Familie hinein. Aber er entfremdet sich natürlich damit von sich selbst.
     

Das Stellen des Familienbildes bedeutet für mich ein Nach-Außen-Bringen, ein Auf-die-Bühne-Bringen, ein konkretes Darstellen des inneren, mehr oder weniger unbewussten Bildes der Beziehungskonstellation der Gegenwartsfamilie oder der Herkunftsfamilie. Durch das Aufstellen wird der eigene Platz in dieser Familie sichtbar.

Der Aufstellende bedient sich dabei der Möglichkeiten der Gruppe: Nach einer kurzen Darstellung seines Anliegens und der Fakten seiner Familiengeschichte (Genealogie) wählt er Gruppenmitglieder als Stellvertreter für die wichtigen Personen seiner Familie, einschließlich seiner selbst. Diese stellt er nun im Raum auf gemäß seinem Gefühl, seinem inneren Bild. Durch diese räumliche Zuordnung wird deutlich, wie die Familienmitglieder zueinander (in Beziehung) stehen. Dieses in den Raum hineingebrachte, konkretisierte Ordnungsmuster hat einen bemerkenswert intensiven Einfluss auf die psychosomatische Befindlichkeit der aufgestellten Stellvertreter. Meist spiegeln sie erstaunlich exakt die aufgestellten Familienmitglieder wider. Oft spüren sie Bewegungsimpulse und möchten ihre Position verändern. Sie berichten über ihre Befindlichkeit und Tendenzen. Dies allein gibt oft schon überraschende und tiefe Einblicke in die Ordnung in der Familie, auch die Störungen der Ordnung, die Beziehungsstrukturen, das Gefühl in der Familie und den Energiefluss.

In einem zweiten Schritt verdeutliche ich als Therapeut die dargestellte Dynamik. Zum Beispiel lasse ich nach draußen strebende Familienmitglieder tatsächlich an den Rand des Systems oder sogar ganz aus dem Raum gehen. Darauf reagieren wiederum die anderen Familienmitglieder.
Oder ich füge fehlende oder ausgeklammerte Familienmitglieder hinzu und teste die Wirkung auf die aufgestellten Stellvertreter. Dabei ist der Aufstellende aufmerksamer Beobachter, der sich von den Veränderungen berühren lässt. Auf diese Weise können wir die Kräfte verstehen, die ein Beziehungssystem begründen und ordnen, andererseits aber auch durch Illusionen und Verstrickungen Blockaden setzen.

In einem dritten Schritt suchen die Aufgestellten unter meiner Moderation eine „gute Lösung“. Dabei  nutze ich auch mein Wissen und die Erfahrung meiner Teammitglieder über archetypische Ordnungsprinzipien und Rituale. Wenn z. B. ein gestorbenes oder abgetretenes Kind nicht betrauert worden ist, so können die Stellvertreter über ein Trauerritual zeigen, welche befreiende Wirkung gelebte Trauer haben kann. Immer aber geht es darum, allen Familienmitgliedern einen angemessenen Platz im System zu geben, so dass dem Bedürfnis nach Bindung, Zugehörigkeit und Liebe im System Genüge getan wird. Dies löst die Verstrickungen und energetischen Blockaden, löst auch überholte Bindungen und öffnet für die positiven Kräfte der Gegenwart.

Lösungen kommen zur Wirkung, wenn unterbrochene Bindungen anerkannt, Schuld gesehen und zugeordnet, Vergangenes betrauert und Gutes genommen ist. Wir können in Einklang gehen mit dem Bedürfnis des Systems nach Zusammenhalt und Würdigung der einzelnen Mitglieder und daraus die Kraft schöpfen, der persönlichen Bestimmung zu folgen. Wir „anerkennen, was ist.“

Gelingt es, eine gute Lösung zu erarbeiten, so kann der Aufstellende erst mit Hilfe seiner Stellvertreter, später, indem er in diesem aufgestellten System seinen Platz selbst einnimmt, den Lösungsweg und die Lösung als ein ganzheitliches, körperlich-seelisch-soziales Erleben in sich aufnehmen. Er bekommt ein Fühlbild eines „idealen Zustandes“ angeboten im Sinne von „so hätte es sein sollen“. Die Spannung zu dem, was bisher sein inneres Bild war, wird bewusst. In diesem Spannungsfeld kommt Energie zum Fließen, die einen Zugang eröffnet nicht nur zur Trauer um all das, was nicht war im Sinne von: „Es tut mir leid! Aber nun lebe ich weiter.“ Sondern es eröffnen sich bisweilen auch Möglichkeiten, durch einen veränderten Umgang, eine veränderte Einstellung in der Herkunftsfamilie und vor allem im Gegenwartssystem Beziehungen sich zum Guten zu wenden und sogar heil werden zu lassen.

Es leuchtet ein, dass es oft ein weiter Weg ist von diesem idealen Lösungsbild zur Umsetzung des Bildes im Inneren und im Äußeren. Oft bedarf es noch der weiteren psychotherapeutischen Begleitung, damit dieser Weg gegangen werden kann. Ich bin aber auch immer wieder überrascht, wie wirkmächtig die Lösungsbilder sind, wie groß bereits die kleinen Wirkungen des Durchlebens einer Lösungsaufstellung an einem Wochenende auf ein Familiensystem sein können. Eine kleine Drehung des Kaleidoskops, eine winzige Veränderung des Blickwinkels und schon entsteht ein neues Bild.

Durch das neue Bild bekommt der Aufstellende einen neuen Platz. Er definiert seine Beziehung zu den Familienmitgliedern neu. Dadurch kommt auch seine innere Einstellung „an den richtigen Platz“, sein Selbstbild klärt sich. Oft kann er erst jetzt seine Eltern achten und von ihnen die Kraft nehmen, dass sie ihm das Leben geschenkt haben, um diese Kraft dann an die eigenen Kinder weiterzugeben oder in seine Arbeit fließen zu lassen. Auch sein Familiensystem profitiert davon. Wenn einer im System sich verändert, verändern die anderen sich mit.

Ein Familientherapie-Wochenende kann eine hervorragende Ergänzung für eine laufende Psychotherapie sein. Bei Krisen in Partnerschaft und Familie kann allein diese Methode schon Klärung und Neuorientierung bringen. Bisweilen schafft sie auch erst ein Bewusstsein von Verstrickung und energetischem Blockiertsein, und es erwächst daraus das Bedürfnis nach weiterer Klärung in einer persönlichen Psychotherapie.

Für mich ist das Familienstellen eine Methode unter vielen, ein Baustein in einem persönlichen Entwicklungsprozess. Deshalb lege ich so großen Wert auf eine fundierte psychotherapeutische und familiensystemische Befunderhebung und eine therapeutische Nachbereitung.

 Zweifellos ist der therapeutische Aufwand meiner Arbeit groß: Vorgespräche, Nachbereitung, Arbeit in einem mehrköpfigen Team mit den entsprechend großen Ressourcen an Kompetenz, Kreativität und kritischer Hinterfragung. Ich rechtfertige diesen Aufwand mit der außerordentlichen Macht der Methode und meiner großen Achtung vor dem Unbewussten und dem Wirken von Mächten in der Aufstellung, die über unser kleines Individualbewusstsein weit hinausreichen.

 

Termine:

aktuelle Termine siehe unter Button Termine

Anmeldung:

Zuerst vereinbaren Sie einen Termin für ein klärendes Anamnese-Vorgespräch. Es bietet sich an, dazu eine Stammtafel über drei Generationen mitzubringen. Dann melden Sie sich mit der Anmeldung (oranges Blatt) und Zahlung Ihres Teilnahmebeitrages verbindlich an. Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Zahlungseinganges berücksichtigt.

Sollten Sie derzeit anderweitig in Psychotherapie sein, so besprechen Sie vor dem Seminar Ihre Absicht zum Familienstellen bitte mit Ihrem Therapeuten.

 

Fortbildung:

Meine Seminare sind von der Bayerischen Landesärztekammer als professionelle Fortbildung in Familientherapie und Familiendynamik anerkannt (20 Fortbildungspunkte), ebenso als Weiterbildung 34.1.4 und 1.6 (Praktikum zur Dynamik der Paarbeziehungen, der Familie und der Gruppe, Psychotherapiemethode Familienberatung). Näheres auf Anfrage.

 

 

 

 

Dr. med. Karl-Klaus Madert - Whistlerweg 30 - D-81479 München